Herzlich Willkommen zu einer kleinen Zeitreise durch unsere Gemeinde Dußlingen
Unser ortsgeschichtlicher Rundgang erstreckt sich auf das ganze Gemeindegebiet Dußlingen. Der Dußlinger Geschichtspfad bringt an ausgewählten Plätzen und Gebäuden Themen der Ortsgeschichte zum Vorschein.
Zwei bis drei Stunden Gehzeit sollten Sie sich reservieren, bei Interesse ein wenig mehr, um unsere 12 Stationen des Geschichtspfades zu besichtigen. Lassen Sie sich Zeit, wenn Sie Schritt für Schritt zurückgehen bis zu Beginn der Siedlungsgeschichte von Dußlingen.
Für den historischen Rundweg wünschen wir Ihnen viel Vergnügen. Tauchen Sie ein in die Geschichte Dußlingens!
Die Dußlinger Kirche wird bereits im 9. Jahrhundert erwähnt. Sie war dem Heiligen Petrus geweiht. Zum Kirchensprengel gehörte auch Stockach, heute ein Teilort der Gemeinde Gomaringen. Die Kirchenhoheit lag bei den jeweiligen Ortsherren. Wie im gesamten Herzogtum Württemberg, so wurde auch in Dußlingen die Reformation 1534 eingeführt. Bis zum Zuzug vieler Heimatvertriebener nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs blieb Dußlingen eine fast rein protestantische Gemeinde.
Das heutige Kirchengebäude wurde 1501 (Datierung am Chorbogen) bis 1508 (Datierung in der Sakristei) in spätgotischem Stil (spitzbogige Portale, Maßwerkfenster, Netzgewölbe im Chor) errichtet. Renovierungen fanden in den Jahren 1929, 1957, 1980 und 2001 statt.
Das Pfarrhaus, welches noch heute als solches dient, wurde um 1450 erbaut, 1902 und 1960/61 renoviert. In ihm könnten einst auch die Ortsherren gewohnt haben.
Direkt am Kirchhof (Kirchstraße 39) stand das älteste bekannte Schulhaus Dußlingens. Es befand sich während des 18. Jahrhunderts im Besitz der Heiligenpflege. Bereits um die Mitte des 16. Jahrhunderts sind Lehrer in Dußlingen bezeugt, sie unterrichteten aber noch in ihren eigenen Wohnstuben.
Viele Schulen in Württemberg entstanden im Zusammenhang mit der Reformation aus religiösen Gründen. In ihnen sollten die Kinder den Katechismus und Kirchengesang lernen. Entsprechend stand die Schule unter Aufsicht der Kirche. Eine Schulpflicht wurde erst am Ende des Dreißigjährigen Krieges (1648) eingeführt.
Die Dußlinger Burg dürfte im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts erbaut worden sein. Für diese Bauzeit sprechen die mächtigen stauferzeitlichen Buckelquader im Erdgeschoss. Die Gemeinde kaufte das Gebäude 1725 und baute es kurz darauf zum Rathaus um. Diese Funktion behielt es bis 1949. Zur Burg gehörte eine nicht erhaltene Jakobs- und Andreas-Kapelle "auf dem Graben" (wohl an der heutigen Kreßbacher Straße).
Die Burg bewohnten Adelige, die sich bereits im 12. Jahrhundert nach Dußlingen nannten. Sie standen zumindest zeitweise im Dienst der Pfalzgrafen von Tübingen. Seit 1266 führten die Bewohner der Burg den Beinamen Herter. Diese Familie besaß auch Schloss Hertneck (Gemeinde Oßweil, Kreis Ludwigsburg). Es ist unklar, ob der Beiname von dorther übertragen wurde (Flurbezeichnung "zu Herdern") oder auf eine Hinwendung zum geistlichen Amt (pastor = Hirte) hinweist.
Einige Herter machten in württembergischen Diensten Karriere. Rund um Dußlingen erwarben Familienmitglieder eine kleine Ritterschaft, zu der die Burg Andeck bei Talheim und die Dörfer Dußlingen, Nehren, Ofterdingen (seit 1345/46) sowie Breitenholz (seit 1332/1364) gehörten.
Eine Finanzkrise im Spätmittelalter zwang die Herter wie viele Standesgenossen zu Verkäufen. Nutznießer waren die Grafen von Württemberg. Sie hatten 1342 die pfalzgräfliche Herrschaft Tübingen erworben. Von hier aus strebten sie eine Landbrücke zu ihren Ämtern Balingen und Rosenfeld an und brachten innerhalb eines halben Jahrhunderts das Steinlachtal unter ihre Kontrolle. Von den durch interne Fehden geschwächten Grafen von Zollern erwarben sie 1415 Mössingen, Belsen und Öschingen.
Ihnen verkauften Hans Herter am 26. April 1446 und sein Onkel Jakob Herter am 3. April 1447 Dußlingen sowie Talheim, Nehren und Breitenholz.
Die Herter blieben noch bis 1616 im Ort, als der letzte männliche Spross der Familie starb. Allerdings residierten sie nicht länger als Ortsherren im Schloss, sondern nur noch als Nutznießer eines Lehens, mit dem Graf Ulrich von Württemberg am 24. Mai 1458 Wilhelm Herter für seine Verdienste belohnt hatte.
Auf Dußlinger Markung gab es einst sechs Mühlen: die obere und die untere Getreidemühle, eine Ölmühle, zwei Sägemühlen und die Pulvermühle im Mündungsgebiet der Wiesaz. Die beiden Getreidemühlen verfügten Mitte des 19. Jahrhunderts jeweils über drei, später vier Mühlräder, für jeden Mahlgang eines. Im Gerbgang drückten grobe Mühlsteine das Korn aus dem Spelz des Dinkels heraus, bevor der Müller das eigentliche Dinkelkorn zwischen anderen Mühlsteinen immer feiner mahlte.
Die Mühlkanäle sorgten dafür, dass das Wasser von oben auf die Mühlräder stürzte und somit eine möglichst große Kraft übertrug. Der Kanal zur oberen Mühle verlief links der Steinlach parallel zur heutigen Austraße. Wo er wieder in die Steinlach mündete, lenkte ein zweites Wehr Wasser in einen Kanal rechts der Steinlach zur unteren Mühle.
Die beiden Getreidemühlen entstanden bereits während des Mittelalters, im Auftrag der Ortsadeligen. Diese überließen die Anlage dem Müller nur als Lehen (Lehenbriefe "Obere Mühle" seit 1479, "Untere Mühle" seit 1495).
Die Herrschaft verpflichtete die Bewohner von Dußlingen und Nehren, ihr Getreide in diesen Mühlen mahlen zu lassen ("Mühlbann").
Darüber hinaus kamen Mahlkunden aus Stockach, Mähringen und Immenhausen. Der Müller erhielt ein Zwanzigstel des ausgemahlenen Mehls für seine Dienstleistung.
Die Steinlach lieferte die Energie für die Dußlinger Mühlen. Der Fluss prägte Dußlingen seit eh und je, meist positiv. Mitunter setzte aber die "ausgelassene Wildheit" der "unbändigen Steinlach" (Rösler 1788) den Dußlingern gewaltig zu, etwa am 4. Juli 1737 nach einem starken Gewitter. Damals war das Gebiet, auf dem heute die Schule steht, so überschwemmt, "daß der Hirt selbsten auf einem kleinen Kieß mitten im Wasser bey einer Stunde bleiben mußte, biß ihm von der anderen Seite ein Seil zugeworfen wurde..."
Der Dußlinger Bahnhof liegt an der Eisenbahnstrecke von Tübingen über Hechingen und Balingen nach Sigmaringen, der "Hohenzollernbahn". Das Teilstück bis Hechingen wurde am 29. Juni 1869 eröffnet. An dieser Strecke ließ die württembergische Eisenbahnverwaltung in Dußlingen ab 1867 eine Station errichten, die wegen ihrer Bedeutung einen geräumigen Güterschuppen erhielt. Der Dußlinger Bahnhof spielte für die Industrialisierung der Gemeinde eine große Rolle. Der Bereich um den Bahnhof entwickelte sich zum gewerblich-industriellen Standort des Dorfes. Die Bahn transportierte beispielsweise 1887 760 Tonnen Kohle heran, mit der die Dampfmaschinen der Betriebe arbeiteten.
Umgekehrt brachte der Zug die Dußlinger zu ihren auswärtigen Arbeitsplätzen in Tübingen, Hechingen, ja bis nach Reutlingen. Zwischen Tübingen und Sigmaringen stiegen hier die meisten Arbeiter zu. Schon 1898 waren es täglich im Durchschnitt 157.
Das Stationsgebäude von 1867 hat einen Sockel aus Sandstein, das Riegelfachwerk ist mit Tuffstein ausgemauert. Im Erdgeschoss des Stationsgebäudes gab es ein Postbüro und den Verkaufsschalter für Fahrkarten, ein Gepäckbüro sowie einen Wartesaal der dritten Klasse und einen der ersten und zweiten. In den beiden oberen Geschossen befanden sich Wohnräume von Bahnmeister, Weichenwärter und Hilfswärter.
Dußlingen wird erstmals in einer Urkunde aus dem Jahr 888 genannt. Während des Mittelalters übte anfangs Ortsadel die Herrschaft im Dorf aus, 1446/47 kam Dußlingen an die Grafen von Württemberg. Seitdem gehörte es zum Verwaltungsbezirk Tübingen. Im Laufe der Jahrhunderte führte ein stetes Wachstum der Bevölkerungszahl dazu, dass nicht mehr alle Bewohner von der Landwirtschaft leben konnten.
Deshalb gewannen Arbeitsplätze in Fabriken während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entscheidende Bedeutung für ein weiteres Wachstum der Siedlung. Dußlingen war lange Zeit nach Gönningen die bevölkerungsreichste Gemeinde im Oberamt Tübingen.
Das Dußlinger Rathaus befand sich seit 1725 im Schloss der Herter von Dußlingen. 1949 bezog die Gemeindeverwaltung das ehemalige Schulhaus am Hindenburgplatz. Heute steht das 2003 eingeweihte Rathaus auf dem Areal der früheren Firma IRUS neben dem Bahnhof.
Die IRUS-Werke machten Dußlingen überregional bekannt. Sie sind ein typisches Beispiel für die Entwicklung blühender Industrieunternehmen aus handwerklichen Anfängen. Seit 1865 stellte Jakob Rilling zusammen mit seinen Brüdern Michael und Johannes in der Dorfstraße Wasserräder und Einrichtungen für ländliche Getreidemühlen handwerklich her. Zwei Jahre später kauften sie von Wilhelm Göhner die "Obere Mühle" und verlegten ihren Betrieb dorthin. Nach dem Ausscheiden seiner Brüder 1904 übernahm Jakob den Betrieb alleine und verlegte ihn in die Bahnhofstraße. Seitdem blieb das Unternehmen unter Familienleitung, "IRUS" steht für "Jakob Rilling und Söhne".
Seit 1908 produzierte die Firma moderne Schrot- und Mahlmühlen mit selbstgefertigten Kunstmahlsteinen in Serie und machte damit den Schritt zur industriellen Fertigung. IRUS erweiterte seine Produktpalette im Lauf der 1920er um Kaffeemühlen für Haushalt und Gewerbe (1925), um Stanzklötze für die Schuh-, Leder- und Bekleidungsindustrie sowie um Hackblöcke für Metzgereien und Großküchen.
Am nachhaltigsten machte der 1929 begonnene Bau von Motormähern für die Landwirtschaft das Dußlinger Unternehmen bekannt. Bis 1945 lieferte die Firma rund 80.000 IRUS-Mühlen und 2000 Motormäher.
Zumindest in unserem Raum wurde IRUS zum Synonym für Einachsmäher und Einachsschlepper (seit 1952), mit denen nach dem Zweiten Weltkrieg die Motorisierung in den kleinbäuerlichen Betrieben Württembergs Einzug hielt. International fanden IRUS-Einachser in über 100 Ländern Verbreitung, unter anderem in Entwicklungsländern.
Schließlich zwang die zunehmende Konkurrenz in Billiglohnländern die Firmeninhaber dazu, das Unternehmen 1985 einzustellen.
Ein Nachfolgebetrieb IRUS besteht heute noch in Salmendingen auf der Schwäbischen Alb.
Die Gemeinde erwarb das Dußlinger Anwesen und ließ seit 1999 dessen Hallen sowie die Gebäude Bahnhofstraße 9 und 11 abbrechen. Hier entsteht das neue Dienstleistungszentrum der Gemeinde, dessen Kern das neue Rathaus bildet. Einen letzten Eindruck vom früheren Dußlinger Industrierevier vermittelt noch heute das Backsteingebäude der Maschinenfabrik Alfred Rilling in der Bahnhofstraße. Die Firma hat das Gebäude mittlerweile verlassen und im Industriegebiet Steinig ein neues Fabrikgebäude errichtet. Vom einstigen Glanz des Industrieareals zeugt die vom Fabrikanten Ernst Rilling 1920 errichtete Villa an der Ecke Bahnhofstraße/Hechinger Straße.
Vom Standort am Kirchhof verlagerte die Gemeinde Dußlingen ihre Schule 1876 an das linke Steinlachufer (bis 2003: Rathaus). Der Aufbau des Schulzentrums rechts der Steinlach begann erst 1910. Er wurde nötig, weil die in der alten Schule vorhandenen Klassenzimmer, die für jeweils 90 Kinder ausgelegt waren, nicht mehr ausreichten. Das alte Schulhaus blieb weiterhin in Gebrauch. Aufgrund der wachsenden Schülerzahlen baute die Gemeinde das neue Schulzentrum immer weiter aus.
Von April 1946 bis Ende 1947 nutzten französische Militäreinheiten das Schulareal auf dem Kugelwörth als Kaserne.
1936 hatte sich die Gemeinde für den Namen "Adolf-Hitler-Schule" entschieden. Ein besonderes Zeichen setzten Schule und Gemeinderat 1994, als sie den neuen Namen "Anne Frank-Schule" wählten. Mit diesem Namen erinnern sie an Anne Frank (12.6.1929-März 1945), die als Jüdin in die Konzentrationslager Auschwitz und Bergen-Belsen deportiert wurde und dort ums Leben kam. In ihrem Tagebuch, das den Zeitraum von 1942 bis 1944 umfasst, beschreibt sie unter anderem das Zusammenleben der Familie in einem engen Versteck in Holland, berichtet über die Deportation von Juden. Ihr Vater, der einzige Überlebende der Familie, veröffentlichte das Tagebuch 1947, es wurde 1959 verfilmt.
Wie in vielen anderen Gemeinden bestritten auch in Dußlingen die allermeisten Menschen bis weit ins 19. Jahrhundert hinein ihren Lebensunterhalt hauptsächlich mit Ackerbau und Viehzucht. Auch nachdem seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts immer mehr Dußlinger in Fabriken Arbeit fanden, betrieben viele von ihnen weiterhin Landwirtschaft im Nebenerwerb. Deren Erträge trugen wesentlich zur Grundversorgung mit Nahrungsmitteln bei.
In unmittelbaren Nachkriegsperioden, etwa ab 1919 und ab 1945, erlebten landwirtschaftliche Nebenerwerbsbetriebe angesichts von Lebensmittelknappheit einen Aufschwung. Unter diesem Eindruck fand auch eine Mechanisierung kleinster landwirtschaftlicher Betriebe in den 1950er und 1960er Jahren statt. Kleintraktoren ersetzten nach und nach die bis dahin gebräuchliche Arbeitskuh. Noch 1917 dienten die allermeisten der 934 Rinder auch als Zugvieh. 1952 gab es vier Schlepper und 62 Motormäher, von letzteren dürften die meisten bei der hiesigen Firma IRUS hergestellt worden sein.
Trotz dieses Festhaltens an der relativen Selbstversorgung gaben immer mehr Fabrikarbeiter ihre landwirtschaftlichen Betriebe auf. Deren Zahl sank von 451 im Jahr 1895 auf 335 am Ende des Zweiten Weltkriegs. Aber erst das Wirtschaftswunder der fünfziger und sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts führte zu einem massiven Höfesterben, so dass bis 1969 nur noch 185 landwirtschaftliche Betriebe übrig blieben.
Auch die Familie Vollmer führte ihren Hof bis 1960 als Vollerwerbsbetrieb. Vier Rinder, ein Pferd und einige Schweine standen damals im Stall. Wenig rentabel sei die Landwirtschaft gewesen, so erinnert sich der Sohn des damaligen Besitzers. Das Jungvieh habe beim Kauf oft mehr gekostet als man hinterher für das Schlachtvieh erzielte. Frühere Generationen hatten stets als Metzger und Nebenerwerbslandwirte gearbeitet. Daran erinnert heute noch die "Metz" im Erdgeschoss des Hauses. Dessen ältester Teil, die Scheuer, datiert auf das Jahr 1636.
1793 wurde in der Stadelgasse die "Kleine Zehntscheuer" errichtet. Im Jahr 1800 kaufte sie die Bebenhäuser Pflege Tübingen, die dort den ihr zustehenden Teil des Zehnten lagerte. Der Zehnt war eine festgesetzte Menge des Ernteertrages, den jeder Bauer abführen musste. Ursprünglich stand der Zehnt nur der Kirche zu, später waren auch Klöster und Adlige Nutznießer dieser Abgabe. Im Laufe des 19. Jahrhunderts konnten die Bauern diese Last "ablösen". Von 1819 bis 1821/22 verlieh die Bebenhäuser Pflege ihre Scheuer an Dußlinger Bürger. Die Scheuer ist heute in den linker Hand entstandenen Neubau integriert.
Wichtiger noch als die kleine Zehntscheuer war die große. In ihr sammelte der Zehntherr den zehnten Teil der Getreidegarben auf Dußlinger Markung. Diese große Scheune wird erstmals 1553 erwähnt. Sie stand an der heutigen Kappelstraße und wurde 1838 verkauft und abgebrochen.
Dußlingen galt wie die meisten bevölkerungsreichen Gemeinden im Steinlachtal während des 18. und 19. Jahrhunderts als ausgesprochen arm. 1790 sollen 97 Prozent aller Bürger verschuldet gewesen sein. Zwischen 1815 und 1900 (damals gab es 2055 Einwohner) wanderten 293 Dußlingerinnen und Dußlinger angesichts permanenter Not aus. In Dußlingen wurde als erster ländlicher Gemeinde im gesamten Oberamt Tübingen 1849 ein Armen-Unterstützungs-Verein gegründet. Die damals vorherrschende agrarische Wirtschaftsweise führte angesichts eines dauerhaften Anstiegs der Bevölkerungszahl dazu, dass die begrenzte Markungsfläche nicht mehr allen ein Auskommen ermöglichte.
Die Realteilung hatte viele landwirtschaftliche Anwesen auf weit unter zwei Hektar verkleinert, so dass fast alle Bauern ein Handwerk oder ein Gewerbe im Nebenerwerb betreiben mussten.
Viele verarbeiteten Flachs, andere betätigten sich als Weber und Taglöhner. 1828 verdiente etwa ein Siebtel der Berufstätigen sein Brot mit Weben. Zehn Prozent waren Tagelöhner. Nicht wenige Dußlinger suchten im Hausierhandel ihr Auskommen. Die Gemeinde wurde 1790 in einem Atemzug mit den Hochburgen des Hausierhandels, Eningen und Lützenhardt, genannt. Sieht man von Gönningen, das seinerzeit zum Oberamt Tübingen gehörte, einmal ab, so stellten Beamte 1892 fast ein Viertel aller Wandergewerbescheine im Tübinger Bezirk für Dußlingerinnen und Dußlinger aus. Meist übten Witwen das Gewerbe aus, handelten mit Gartengewächsen, Butter, Lebkuchen oder Dörrobst, einzelne auch mit Kurz- und Galanteriewaren, Bäusten, Dochten, Strohbändern. Einzelne Männer handelten mit Kesseln und Korbwaren oder mit Rechen und Gabeln.
In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg wurden Fußmatten zum bevorzugten Handelsgut der Dußlinger Hausierer. Sie bezogen die Ware von Landesgefängnissen, vor allem aus Rottenburg. Vor und zwischen den Weltkriegen verschaffte der Mattenhandel bis zu 40 Personen ein Auskommen.
Angesichts der allgemeinen sozialen Not im 19. Jahrhundert nutzten viele Dußlinger die Chance zum Einkommenserwerb, welche die Industriearbeit bot. Zunächst fanden viele Dußlinger Beschäftigung in auswärtigen Fabriken, 1929 waren es 499 von 2285 Einwohnern. Demnach arbeitete durchschnittlich aus jeder Familie ein Mitglied außerhalb. Mit der Eisenbahn pendelten sie nach Tübingen, Derendingen und Hechingen. In Dußlingen selbst boten vor allem mittelständische Betriebe Arbeitsplätze, so die Dampfziegelei von Georg Finkbeiner, Jakob Rillings IRUS-Mühlenbau (105 Arbeiterinnen und Arbeiter 1917), die Brauerei von Robert Wörner auf der Steinlachburg (bis 1918), zwei Sägemühlen und die Zementfabrik in der ehemaligen Pulvermühle. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hielt die Entwicklung an; 1961 war jeder zweite Erwerbstätige Pendler.
Viele Fabrikarbeiter entwickelten früh ein Zusammengehörigkeitsgefühl, schon Ende des 19. Jahrhunderts bestand ein "Arbeiterverein" in Dußlingen. Vor allem 1904 schuf der Arbeiterverein feste Strukturen, indem er sich der SPD anschloss, die immer größeren Zulauf erhielt.
Noch 1904 riefen "Fabrikler" auch einen Arbeiter-Turn- und Sportbund als Alternative zu dem bereits seit vier Jahren bestehenden bürgerlichen Deutschen Turnverein ins Leben. Zum Umfeld der Arbeiterschaft gehörte während der Weimarer Republik zudem ein Konsumverein der SPD, eine Art von Einkaufsgenossenschaft. Sein Gebäude wurde 1966 am Standort des einstigen Gasthauses Sonne neu errichtet (später COOP).
Das neu gewonnene politische Selbstbewusstsein vieler Arbeiter spiegelt sich besonders deutlich an den Wahlergebnissen zum Reichstag während der Weimarer Republik (1919-1933) wider. In Dußlingen erreichten KPD und SPD zusammen zwischen 1919 und 1933 im Schnitt von neun Wahlen 46,6 Prozent der abgegebenen Stimmen. Damit lässt sich die Gemeinde dem "roten" Steinlachtal zuordnen, wo in Mössingen, Nehren und Bodelshausen die Arbeiterparteien ähnlich deutlich dominierten. Sehr stark war bis 1930 in Dußlingen außerdem die linksliberale Demokratische Partei.
Ab 1850 entstanden in Deutschland nach englischem Vorbild sogenannte "Konsumvereine". Sie wollten ihren Mitgliedern preiswerte und qualitativ einwandfreie Lebensmittel beschaffen. Ab 1880 kam es zu Masseneintritten aus der Arbeiterschaft. Der Dußlinger Konsum bestand bereits in der Zeit der Weimarer Republik. Nach ihrer Aufhebung durch die Nationalsozialisten lebten die Konsumgenossenschaften seit 1945 wieder auf.
In Dußlingen eröffnete die Konsumgenossenschaft Reutlingen 1966 ein Selbstbedienungsgeschäft am Hindenburgplatz. In dem ehemaligen Konsumladen Dußlingens befindet sich heute ein türkisches Feinkostgeschäft.
Die erste moderne Straße Württembergs seit dem Mittelalter war die Schweizer Chaussee von Stuttgart über Tübingen, Hechingen und Balingen bis nach Schaffhausen. Im Gegensatz zu den traditionellen zwischenörtlichen Routen verfügte sie über einen festen steinernen Unterbau und ihre Trasse führte gestreckt durchs Gelände, ließ Dörfer wie Dußlingen ursprünglich links liegen. Ihr Bau (durchs Steinlachtal 1756/57) brachte für Dußlingen einige Entwicklungsimpulse.
Auf Dußlinger Markung siedelten sich entlang der Chaussee sehr bald Wirtshäuser an und das Dorf dehnte sich der Straße zu aus.
Der Verlauf der heutigen Bundesstraße 27 durch den Ort entspricht nicht mehr jenem der Schweizer Chaussee. Diese führte ursprünglich über die heutige Tübinger und Hechinger Straße. Von November 1935 bis August 1936 wurde dann die Reichsstraße 27 im Zuge von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen während des Dritten Reiches als Umgehungsstraße neu gebaut. Mit gewaltigen Erdbewegungen musste damals auch die Bahnunterführung geschaffen werden. Als notwendig erwies sich die Umgehungsstraße insbesondere wegen der "großen Gefahren, die der außerordentlich starke Autoverkehr beim Ochsen-Eck und dem schienengleichen Bahnübergang in wachsendem Maße mit sich bringt".
Da die Gemeinde seitdem neue Baugebiete östlich der Reichs- beziehungsweise Bundesstraße erschlossen hat, wurde deren Anbindung an den Ortskern zu einem zentralen städtebaulichen Thema. Immer wieder heizten tödliche Verkehrsunfälle die Diskussion an. Begleitend zum Ausbau der Bundesstraße 27 im Jahr 1961 ließ die Gemeinde deshalb einen Fußgängersteg errichten. Im Zuge des bereits seit den sechziger Jahren geplanten vierspurigen Ausbaus der Bundesstraße soll eine Überdeckelung der Ortsdurchfahrt Dußlingen Abhilfe schaffen.
Von dem regen Verkehr auf der Hauptstrecke von Nord nach Süd durch Württemberg profitierte eine Reihe von Gasthäusern in Dußlingen. Ihr entlang siedelten sich der Ochsen, das Rössle, die Rose und das Lamm an. Im Gasthaus Löwen befand sich zeitweilig eine Poststation, wo die Kutscher ihre Pferde wechseln konnten. Auch die Brauerei und Gaststätte Steinlachburg gründete der Ochsenwirt Johannes Renz in den 1860er Jahren nahe der Durchgangsstraße.
In der Steinlachburg befand sich einst die Großbrauerei von Robert Wörner, um 1900 der größte Betrieb Dußlingens und weithin bekannt. Keimzelle dieser Brauerei war ein Eiskeller, den Johannes Renz, Wirt des Ochsen und des Lichtenstein 1862, in den Hang östlich der Schweizer Straße bauen ließ. Acht Jahre später gab er daneben ein Wohnhaus mit Bierbrauerei in Auftrag.
Nachdem Renz seine sämtlichen Güter 1877 an Robert Wörner verkauft hatte, nahm die Brauerei einen gewaltigen Aufschwung. Sie vertrieb ihr Fass- und Flaschenbier auf Pferdewagen, Lastautos und mit der Eisenbahn bis nach Stuttgart und an den Bodensee. In der Brauereigaststätte auf der Steinlachburg bedienten Frauen in Steinlachtäler Tracht. Hierher zog es Tübinger Studenten ebenso wie Offiziere und Soldaten aus den umliegenden Standorten.
Wörner richtete in seiner Brauerei eine eigene Dampfkraftanlage ein, die anfangs auch die Gemeinde Dußlingen mit Strom versorgte. Das Brennmaterial für den Betrieb der Dampfmaschine traf regelmäßig per Kohlenwaggons am Bahnhof ein.
Zur Brauerei gehörte ein etwa ein Morgen großer Eissee "auf der Bund", an den heute nur noch der Name "Seestraße" erinnert. Im Winter brachen Arbeiter das Eis und transportierten es in die großen Keller, die heute noch bestehen. In den unterirdischen Gewölben blieb es so kühl, dass noch den Sommer über Eis einen erfrischenden Trunk garantierte.
Robert Wörner starb 1918. Obwohl die Brauerei während des Weltkrieges 1914-18 als kriegswichtig eingestuft war, lag sie still.
Alle Wiederbelebungsversuche scheiterten. Daraufhin erwarb die Gemeinde das Anwesen, um den Abbruch dieser ortsbildprägenden, burgartigen Bauwerks zu verhindern.
Weil aber fast alle Versuche zur Ansiedlung neuer Firmen in den Gemäuern scheiterten, ließ die Gemeinde schließlich selbst die eigentlichen Brauereigebäude am 31. März 1922 abreißen. Aus dem Abbruchmaterial konnten mehrere neue Wohnhäuser gebaut werden. In Nebengebäuden kamen verschiedene Firmen unter.
Während der späten Hallstattzeit (um 600 bis 450 vor Christus) beerdigten Kelten, die in der Umgebung Dußlingens siedelten, einen ihrer Vornehmen auf dem Eichenbuckel. Für die Reise ins Jenseits gaben sie ihm unter anderem eine Lanze, einen Bronzekessel, sieben Bronzeringchen, ein Armband und einen Halsreif aus reinstem Gold mit auf den Weg. Keltenfürsten wie der von Dußlingen oder der noch berühmtere von Hochdorf unterhielten Kontakte zum Mittelmeerraum, woher sie Luxusgüter importierten.
Den Dußlinger Grabhügel deckte der Bauer Johannes Dorn aus Großengstingen 1896 auf. In dessen Umfeld fand er sechs weitere Gräber.
Das Fürstengrab auf dem Eichenbuckel ist zwar der bedeutendste, aber längst nicht der älteste archäologische Fund auf Dußlinger Gemarkung. 1969/70 fand man hinter der Kirche Überreste einer jungsteinzeitlichen Bandkeramikersiedlung. Der Begriff "Bandkeramikersiedlung" rührt von der zu dieser Zeit typischen Verzierung von Keramikgegenständen her.
Die Menschen der Bandkeramikzeit waren frühe Ackerbauern. Der Schritt vom Jäger und Sammler zum sesshaften Ackerbauern hat sich vor etwa 6000 bis 10.000 Jahren vollzogen, als bereits bäuerliche Gruppen aus dem Vorderen Orient einwanderten und sich mit der hiesigen, noch von der Jagd lebenden Bevölkerung vermischten. Wichtig für die Ernährung war damals der Getreideanbau auf gerodeten Flächen. Außerdem hielten die Bandkeramiker bereits Schafe und Ziegen.
In der westlich von Dußlingen gelegenen Flur Aspen fand man wiederholt Mauerreste und Ziegel, die vermutlich von einem römischen Gutshof stammen. Der Flurname Aspen rührt wahrscheinlich von dem lateinischen "aspectas" her, das mit "schöne Aussicht" übersetzt werden kann. Auch etwa einen Kilometer südwestlich des Ortes, in der Flur Bürken, fand man römische Baureste. Der Flurname deutet vielleicht auf das lateinische "burgus" (Wachtturm) hin.
Seit dem dritten Jahrhundert nach Christus drangen die Alemannen in unsere Gegend vor und drängten die Römer zurück.
Arbeiter entdeckten 1962 bei Ausschachtungsarbeiten in der Uffhofenstraße 25 ein Grab aus der Alemannenzeit. Dem Toten hatte man bei der Beerdigung unter anderem Rüstung und Waffen mit ins Grab gelegt.
Der Alemannenzeit verdankt Dußlingen wohl auch seinen Namen. Dessen Endung auf "-ingen" deutet darauf hin, dass der Ort zu den ältesten alemannischen Siedlungen in unserer Gegend gehört und wohl im 5. oder 6. Jahrhundert entstand. Diese Namensendung bezeichnet die Bewohner, die sich ihrerseits nach ihrem Sippenoberhaupt oder Ortsgründer "Tuzzili" oder "Tuzzilo" benannten.
Im heutigen Neubaugebiet Maltschach/Geigesried und auf dem Höhnisch bestand seit 1944 ein Werk zur Ölgewinnung aus Schiefer. Im Schiefer ist zu etwa fünf Prozent Bitumen enthalten, eine klebrige Kohlen-Wasserstoff-Verbindung. Seit dem Verlust von Ölfeldern vor allem in der Sowjetunion und in Rumänien versuchte die deutsche Führung, heimische Ölschiefervorkommen als Ersatz nutzbar zu machen. Im Albvorland führte das entsprechende Unternehmen die Tarnbezeichnung "Wüste". Das erste von dessen zehn Werken stand in Dußlingen, die neun anderen im heutigen Zollernalbkreis.
Zum Bau des Dußlinger Werkes wurden zeitweise KZ-Häftlinge täglich mit Bahnwaggons von einem Lager bei Bisingen zum hiesigen Bahnhof gebracht. KZ-Friedhöfe bei Bisingen, Schömberg und Schörzingen sowie die Gedenkstätte Eckerwald erinnern heute an die mindestens 3472 Ermordeten der Konzentrationslager des "Wüste"-Projektes. Weil das Dußlinger "Werk 1" von den Konzentrationslagern zu weit entfernt lag, setzte die Bauleitung hier in der Hauptsache 739 italienische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter ein. Die Aufsicht und Leitung lag bei 200 bis 300 Mann der Organisation Todt.
Die Raffinerie erhielt einen Bahnanschluss. Zum Gelände führte eine Lorenbahn. Nach dem oberirdischen Abbau des Ölschiefers lagen circa 40 Hektar Ackerland in den Flurstücken Geigesried und Maltschach wüst.
Trotz aller Anstrengungen und menschenverachtenden Brutalität konnte das Werk 1 auf dem Höhnisch seine Produktion während des Krieges nicht mehr aufnehmen. Dafür sorgten auch zahlreiche Störungen durch alliierte Luftangriffe und das Näherrücken der Front. Einem Luftangriff fielen der Italiener Cäsare Dannjbali und der Pole Stanislaus Przybylak zum Opfer.
Das französische Militärgouvernement ließ das Werk nach Kriegsende mit deutschen Arbeitern weiterbetreiben. Vom 15. November bis 17. Dezember 1945 wurden sieben Wandermeiler auf dem Höhnisch abgeschwelt: Unter Luftabschluss brannte der zu langen Reihen über perforierten Rohren aufgeschichtete Schiefer langsam ab und setzte dabei ein zähflüssiges Öl frei. Anschließend schlossen die Betreiber das Dußlinger Werk. Auch in Bisingen endete der unwirtschaftliche "Ölrausch" 1947.
Anfang der 1950er Jahre konnte mit der Rekultivierung des Geländes begonnen werden. Da es im Schnittpunkt der Gemeinden Gomaringen, Dußlingen und Nehren liegt, sahen gemeinsame Planungen der Kommunen dieses Gebiet als neues Zentrum vor. Von den einstigen Planungen wurde das Schulzentrum verwirklicht, 1996 erschloss die Gemeinde Dußlingen einen Großteil des Areals als Baugebiet.
Die Siedlung Pulvermühle auf Dußlinger Gemarkung entstand 1861. Damals erhielten die Unternehmer Ruoff von Mössingen und Jakob Rilling (1818-1874) von Dußlingen die Genehmigung zur Errichtung einer Pulvermühle, in der sie Jagd-, Schieß- und Sprengpulver herstellen wollten.
Sie beschäftigten vier Arbeiter in ihrem Werk, das Tag und Nacht lief. Zwei hatten ihr Know How vermutlich in der Rottweiler Pulverfabrik erworben. Weitere fünf Angestellte arbeiteten im Umfeld der Anlage. In der Fabrik mussten die Arbeiter Filzschuhe tragen, damit nicht die genagelten Straßenschuhe Funken schlagen konnten. Das Dach durfte nicht genagelt, sondern nur geklebt werden, damit der plötzlich ansteigende Druck im Fall einer Explosion unschädlicher entweichen konnte.
Hohe Erdwälle nach Ost und Nord sollten die Straße von Gönningen nach Tübingen, die direkt am Werk vorbeiführte, schützen. Trotz aller Vorkehrungen explodierte die Pulverfabrik innerhalb kürzester Zeit dreimal, am 19. März 1863, am 16. September 1863 und in der Nacht vom 23. auf den 24. August 1864. Bei der zweiten Explosion kamen drei Arbeiter ums Leben. Bis auf Stockacher Markung wurden Trümmer durch die Luft geschleudert.
Einer der Betreiber: "Ich bildete mir gleich ein, daß die Arbeiter umgekommen seyn werden. Ich hab' nicht hin können, mir waren meine Gedanken fort." Ein Sachverständiger wies die Schuld an den häufigen Betriebskatastrophen der "Uneinsichtigkeit der Arbeiter" zu, weil sie beispielsweise nicht ständig Filzschuhe getragen hätten. Übrigens explodierte auch die Tübinger Pulvermühle zweimal kurz hintereinander, 1851 und 1852.
Nach der dritten Detonation in Dußlingen erhielt das Werk keine Betriebsgenehmigung mehr. Daraufhin nutzte Jakob Rilling die Mühle zur Herstellung von Zement. Sein 11. Kind (von 18!), Ludwig Rilling, wurde der Begründer der bekannten Sektkellerei in Cannstatt.