Alle Jahre wieder …. Der Eichenprozessionsspinner im Lehlewald


Die Klimaerwärmung hat enorme Auswirkungen auf unsere Wälder: Die längeren Trockenzeiten mit hohen Temperaturen schwächen die Bäume und gleichzeitig vermehren sich wärmeliebende Insekten deutlich schneller. Die Borkenkäfer an Fichte fühlen sich gerade pudelwohl und bringen ganze Fichtenbestände zum Absterben. Ebenso ein Profiteur ist die wärmeliebende Schmetterlingsart Eichenprozessionsspinner (EPS). Nur in seltenen Fällen ist der nächtliche Fraß der Larven an den Blättern für Eichen existenzbedrohend. Zeitgleich mit dem Blattaustrieb schlüpfen die Larven, die nachts in den äußersten Zweigen Blätter fressen, um sich danach in langen Prozessionen (daher der Name) in ihr Tagquartier an Ästen und Zweigen zu verstecken. Die fünfmalige Häutung der Larven vor der Verpuppung im August wäre auch kein Problem, wenn die Larven nicht ab Mitte Mai im 3. Larvenstadium Brennhaare bilden würden. Diese Brennhaare enthalten einen Juckreiz auslösenden Stoff, der sich in den Verpuppungsgespinsten mehrere Jahre halten kann.
Aktuell gibt es wieder wie im letzten Jahr einen erheblichen Befall im Bereich des Lehles entlang des Weges am Südtrauf. Da die Schmetterlingsart Wärme liebt, bieten stark besonnte Eichen bevorzugte Habitate. Im Lehle im Waldesinnern selber sieht man bisher wenig Gespinste. Allerdings halten sich die Verpuppungsgespinste mehrere Jahre und die Brennhaare verdriften mit dem Wind. Erfahrungsgemäß ist die stärkste Einschränkung für die Menschen in den Monaten Juni und Juli erreicht, um danach wieder abzuebben. In regenreichen Zeiten ist der Befallsdruck mit Brennhaaren auch deutlich geringer.
Was tun? Wir müssen lernen mit der Gefahr umzugehen und unser Verhalten darauf einzustellen – wie mit anderen Gefahren z.B. im Straßenverkehr. Konkret bedeutet dies: möglichst langärmelige Kleidung, Bereiche mit einer hohen Zahl an Gespinsten meiden. Keine Gespinste und Raupen berühren. Nach dem Waldspaziergang evtl. Duschen und Kleidung wechseln. Viele Personen spüren ein unangenehmes Hautjucken, das mehrere Tage andauern kann. Nur bei wenigen Personen kommt es zu hyperallergischen Reaktionen.
Eine vorbeugende Bekämpfung ist auch aus ökologischen Gründen nur an ausgewählten Einzelbäumen im innerörtlichen Bereich möglich. Es gibt zwar biologische Behandlungsmittel, diese töten aber alle anderen wertvollen Schmetterlingslarven ebenso. Zudem wirkt die vorbeugende Behandlung nicht immer. Das nachträgliche Absammeln der Nester ist extrem aufwändig und für die beauftragten Personen sehr anstrengend und gefährlich. Vorsicht: Das Absammeln ist nur mit Schutzanzug und Atemmaske möglich.
An besonders gefährdeten Befallsstellen wird die Abt. Forst Warnhinweise anbringen. Ein Infoblatt der Abt. Forst hierzu finden Sie im Anschluss an diesen Text.
Kurzum: Wir müssen uns auf diese Folge der menschenverursachten Klimaerwärmung einstellen und lernen damit zu leben.
 
Forstrevier Steinlach-Wiesaz, Förster Reinhold Gerster


Ein Eichenprozessionsspinner-Gespinst an einem Baum
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