Waldumgang 2019: „Ökologie in Wald - Waldrand - Feld“


Der diesjährige Waldumgang fand am vergangenen Freitag, 25.10.2019 statt. Herr Revierförster Reinhold Gerster und Herr Abteilungsleiter Alexander Köberle vom Landratsamt Tübingen, Abteilung Forst führten drei Stunden an Feld und Wald vorbei sowie durch den Dußlinger Wald.
 
Begleitet wurden sie von rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, darunter Vertreterinnen und Vertreter des Gemeinderates, Herrn Reinhard Schneider als Vertreter der Landwirte sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger. In diesem Jahr wurde das gewohnte Terrain im Wald hauptsächlich verlassen. Denn die Aufwertungsmöglichkeiten hinsichtlich der Ökologie finden auch am Waldrand oder im Feld statt.
 
Bei sonnigem Wetter und nach einer kurzen Begrüßung durch Bürgermeister Thomas Hölsch führte Herr Gerster und Herr Köberle über sechs Stationen.

Station 1: Vorbildliche Pflege Feldhecke


Der Waldumgang führte zu Beginn an einer Feldhecke vorbei. Herr Gerster führte aus, dass die Feldhecke zwischen den Feldern ein wichtiges Landschaftselement darstellt. Es bietet Rückzugsorte für Tier und Insekt und ist damit als „Trittsteinbiotop“ wichtig für die Ökologie.

Station 2: Bio-Landwirtschaft, Teil 1


Wichtig ist, um Maßnahmen zur Aufwertung der Ökologie durchführen zu können, dass alle Akteure im und am Wald miteinander kommunizieren.

Waldumgang 2019

Aus diesem Grund stellte Herr Schneider als Landwirt seinen Betrieb vor. Er hat zum 01.07.2018 auf Bio-Landwirtschaft umgestellt. Er informiert über die Düngung und Bodenpflege sowie den Humusaufbau und die Fruchtfolge. Er erklärte, dass durch die Bio-Landwirtschaft ein um rund 30-50 % geringerer Ertrag zu erwarten ist. Außerdem ging er auch darauf ein, dass Felder doppelt so viel CO² binden können, als der Wald und somit einen klimatischen Vorteil hinsichtlich der Treibhausentwicklung bieten.

Station 3: Bio-Landwirtschaft, Teil 2 und Wegränder


Anschließend ging es um die Bearbeitung der Wegränder. Hier schloss sich eine Diskussion sowie Informationsaustausch unter den Teilnehmern an. Dabei ging es zum einen um die Problematik, dass die Bio-Felder unter einem hohen Unkrautdruck aus den Wegrändern stehen. Zum anderen bieten die Wegränder, vor allem stellenweise auch durch ihren Wassergraben, Lebensräume für Tiere und Insekten. Durch die späte Brützeit bestimmter Vogelarten wird deshalb seitens des gemeindlichen Bauhofs erst spät im Herbst gemulcht.

Station 4: Wegränder im Wald und Waldrandentwicklung


Am Waldrand im Bereich Egart/Kirchholz an der Bank ging Herr Gerster darauf ein, dass auch die Weg- und Waldränder Trittsteinbiotope und wichtige Lebensräume bieten. Dennoch haben sie oft auch für den Wald eine andere Funktion. So ist es wichtig, dass die Wegränder im Wald zurückgeschnitten werden, um die Wege für Fahrzeuge freizuhalten. Zudem nimmt eine zugewachsene „Wegrandmauer“ Licht für die weiter innen lebenden Pflanzen. Es ist auch hinsichtlich der Jagd wichtig, Stellen auszulichten.
Ökologisch optimal wäre daher ein 20-30 Meter tiefer Waldrand, der sich nach außen immer weiter absenkt.

Station 5: Auswirkung Trockensommer 2018; Maßnahmen Klimawandel


Bei Station 5 führte der Waldumgang zu einem kahlen Bereich im Wald. Herr Gerster zeigte hiermit die Auswirkungen des trockenen Sommers 2018 sowie des noch immer zu trockenen Jahres 2019.
 
Die hier vor rund 56 Jahren gepflanzten Fichten mussten alle gefällt werden. Grund ist, dass sie durch die Trockenheit geschwächt waren. So fielen sie dem Borkenkäfer zum Opfer, weshalb sie abstarben.
Deshalb steht die Forstwirtschaft vor der Aufgabe, mit diesen Flächen, die es europaweit gibt, unter Berücksichtigung von Generationengerechtigkeit und Ökologie, richtig umzugehen.
 
So ist es nach Aussage von Herrn Gerster nicht richtig, dem Wald sich selbst zu überlassen. Vielmehr ist es die Aufgabe unserer Generation die breite Nutzungsmöglichkeit des Waldes auch den kommenden Generationen zu ermöglichen. Er sieht deshalb das Ziel, Flächen zu verjüngen und die Jungbestandspflege gezielt zu unterstützen. So soll im Wald ein gemischtes Baumangebot herrschen, um so stabile Wälder herzustellen.
Der Gemeindetag Baden-Württemberg startete im September landesweit die kommunale Klimaschutzaktion „1.000 Bäume für 1.000 Kommunen“. Mit dieser Aktion leisten die Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg durch die Pflanzung von Bäumen einen Beitrag zum Klimaschutz. Beim Waldumgang am 25.10.2019 hat die Gemeinde Dußlingen bereits damit begonnen, weshalb Bürgermeister Thomas Hölsch eine Douglasie eingepflanzt hat. Auch weitere Bäume sollen im Laufe des Nachmittags und in den kommenden Monaten beispielsweise mit den Schulen und in Zusammenarbeit mit dem OGV gepflanzt werden.

Waldumgang 2019

Station 6: Waldrandpflege


Auf dem Weg zur Ohnhaldehütte entdeckt die Teilnehmergruppe eine gemulchte Bucht am Waldrand. Grund dafür ist die regelmäßige Verjüngung und Auslichtung dieser Wegränder, denn der Wald würde natürlicherweise sonst immer weiter ins Feld kommen. Außerdem mussten auch hier große befallene Bäume entnommen werden.
Aus diesem Grund pflanzt die Teilnehmergruppe hier weitere Bäume, wie die Mehlbeere, die Elsbeere oder die blühende Kirsche. Diese sind für Waldränder sehr geeignet. Damit wird auch hier eine höhere Mischung an Baumarten hergestellt.
 
Waldumgang 2019

An dieser Stelle beendete Bürgermeister Thomas Hölsch den offiziellen Teil des Waldumgangs. Er dankte für die kreative Aufarbeitung des Themas, für die Durchführung des diesjährigen Waldumgangs und wies darauf hin, dass auch im Bereich Ökologie und Klimaschutz nur Ergebnisse erzielt werden können, wenn, wie beispielsweise beim Naturschutzfachtreffen oder am heutigen Mittag, alle Akteure eine gute Zusammenarbeit und Kommunikation miteinander pflegen. Dies trägt zum gegenseitigen Verständnis und Wissensaustausch bei.
 
Im Anschluss an den Umgang durch den Wald lud die Gemeinde zu einem gemeinsamen Vesper an der Ohnhaldehütte ein.

Waldumgang 2019