Aus der öffentlichen Sitzung des Gemeinderates vom 04.02.2016



Die Gemeinderatssitzung vom 04.02.2016 hatte nur einen Tagesordnungspunkt – der Ortsentwicklungsprozess „Dußlingen 2030“. Dazu wurden wie gewohnt die Dußlinger Gemeinderäte eingeladen, aber auch die Bürgerinnen und Bürger, die am Bürgerworkshop mitwirkten. Vom Planungsbüro Kölz aus Ludwigsburg waren Prof. Gunter Kölz und Göran Schmidt anwesend.

Präsentation der Ergebnisse zum Ortsentwicklungsprozess „Dußlingen 2030“


Bürgermeister Thomas Hölsch eröffnete die öffentliche Sondersitzung des Gemeinderates. Dabei durfte er die Vertreter der Planungsgruppe Kölz sowie zahlreiche Gäste im Sitzungssaal begrüßen. Darunter waren neben Teilnehmern des zu diesem Thema stattgefundenen Bürgerworkshops im Oktober 2015 auch bislang unbeteiligte Einwohner.
Einleitend zur Sitzung erläuterte Bürgermeister Thomas Hölsch, dass der Ortsentwicklungsprozess mit einem Beschluss des Gemeinderates aus der Sitzung im Mai 2015 begonnen hatte, in welchem die Planungsgruppe Kölz aus Ludwigsburg mit der Begleitung und Koordination des Ortsentwicklungs­prozesses beauftragt wurde. Es folgten am 17. Oktober 2015 ein Workshop des Gemeinderats und am 31. Oktober 2015 ein Bürgerworkshop.
Dann übergab Bürgermeister Thomas Hölsch das Wort an die Vertreter des Planungsbüros Kölz.
Auch diese bedankten sich recht herzlich für die rege Teilnahme an den Workshops sowie für das hohe Interesse in gegenwärtiger Sitzung. Herr Prof. Kölz leitete die Präsentation ein und sagte, das ursprüngliche Ziel war und sei immernoch, ökonomisch die Ortsentwicklung in Dußlingen anzugehen. Deshalb seien Planungen nur schrittweise in Prozessen und unter Einbeziehung der Bürgerschaft möglich.
Anschließend stellte dieser gemeinsam mit seinem Kollegen Schmidt die bisherige Arbeit sowie die Ergebnisse der vorangegangenen Workshops vor. Behandelt wurden dabei die Bereiche Wohnen/Bildung/Soziales, Kultur/Freizeit/Sport, Wirtschaft/Handel/Gewerbe, Mobilität sowie Kultur/Klima/Umwelt. Auf die Vorstellung der Top 20 der kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen und Planungsstrategien, die sich aus der jeweiligen dafür vergebenen Punktzahl ergaben, ging Herr Schmidt ausführlich ein.


Das Prinzip, wie die Top 20 zustande kamen läuft wie folgt ab: Beide Workshops gaben zu allen genannten Bereichen Vorschläge für Maßnahmen. Diese wurden notiert, präsentiert und separat in beiden Workshops durch jeden einzelnen Teilnehmer priorisiert. Dabei konnte jeder Teilnehmer aus insgesamt 70 (Gemeinderatsworkshop) bzw. 80 (Bürgerworkshop) Punkten maximal fünf Punkte für jeden Vorschlag vergeben. Alle Punkte wurden jeweils pro Maßnahme zusammen­gezählt. So erhielt die Gruppe eine nach Prioritäten geordnete Reihenfolge aller Maßnahmen. Aus dem Bürgerworkshop kamen insgesamt 57 Vorschläge, aus dem Gemeinderatsworkshop 52. Im nächsten Schritt wurden lediglich die Maßnahmen auf beiden Listen betrachtet, welche Rang 1-20 erlangen konnten. Position 1 erhielt so 20 Punkte, Position 2 19 Punkte und Position 20 erhielt entsprechend nur einen Punkt. Anschließend wurden die Prioritäten-Listen aus beiden Workshops zusammengefügt und überlagert. So kam es auch vor, dass in beiden Workshops gleiche Maßnahmen vorgeschlagen wurden. So konnten also in der Endaufstellung auf eine Maßnahme maximal 40 Punkte entfallen. In der Präsentation ging das Planungsbüro Kölz lediglich auf die Top 20 dieser Maßnahmen ein.

 
Ergebnis des Workshops zur Ortsentwicklungsplanung "Dußlingen 2030" - Top 20 (PDF)

Platz 1:


Die Realisierung des Neubaus eines Schwimmbades auf dem Höhnisch war bei der Überlagerung der Ergebnisse der Bürgerschaft und des Gemeinderates auf Platz 1 der wichtigsten Maßnahmen für die weitere Ortsentwicklung gelangt. Im Flächennutzungsplan des Gemeindeverwaltungsverbandes ist eine entsprechende Fläche gegenüber dem Schulzentrum für die Errichtung eines Schwimmbades mit den Nachbargemeinden Nehren und Gomaringen bereits ausgewiesen.

Platz 2:


Den Teilnehmern beider Workshops war es besonders wichtig, dass in den kommenden Jahren baulich die Innen- vor Außenentwicklung verfolgt wird. Dies bedeutet, dass unter anderem Baulücken innerorts geschlossen und Bestandsgebäude saniert werden sollen. Vorhandene Baukataster müssen deshalb künftig überarbeitet werden.

Platz 3:


An dritter Position steht für die Teilnehmer beider Workshops die Überarbeitung der Naldo-Tarifstruktur. Eine besonders wichtige Rolle spielt dabei die Verlegung der Wabengrenze von Dußlingen. Für die Bürgerinnen und Bürger von Dußlingen soll es eine preisgünstigere Zuganbindung nach Tübingen geben. Ein entsprechender Antrag wurde bereits beim Landkreis gestellt.

Platz 4:


Die schnelle Integration von Dußlingen in das Projekt der Regionalstadtbahn soll mit drei Haltestellen im Ort weiter vorangetrieben werden. Federführend für die Planung zur Realisierung der Regional­stadtbahn auf der Hohenzollernbahn ist der Zollernalbkreis. Der erste Schritt wäre nun die Elektrifizierung der Bahnstrecke.

Platz 5:


Gemeinsam mit allen am Wohnbau beteiligten Akteuren soll die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum und gemeinschaftlichen Wohnungsbau vorangetrieben werden. Es soll sozialer Wohnungsbau, altersgerechtes Wohnen und generationenübergreifender Wohnraum entstehen.

Platz 6:


In enger Anlehnung an das Prinzip der Innen- vor Außenentwicklung (Platz 2) priorisierten die Teilnehmer des Gemeinderates und des Bürgerworkshops eine Entwicklung des „Rilco-Geländes“ und „Sannwald Areals“ mit verdichteten Wohnmöglichkeiten. Diese Flächen befinden sind jeweils in Privateigentum, so dass der Einfluss auf die weitere Nutzung nur bedingt gegeben ist.

Platz 7:


Als Maßnahme aus den beiden Workshops resultiert auf Platz 7 die weitere Entwicklung eines Energie- und Klimaschutzkonzeptes. Als Ziel formulierten die Teilnehmer ein energieautarkes Dußlingen. Diese Maßnahme wurde in Zusammenarbeit mit der Agentur für Klimaschutz Tübingen mit der Einstiegs­beratung zum Klimaschutz bereits begonnen.
Betrachtet man den Bürgerworkshop für sich, wurde die Erstellung des Energie- und Klimaschutzkonzeptes auf Platz 1 gewählt.

Platz 8:


Die Teilnehmer des Bürgerworkshops und des Gemeinderates wählten auf Platz 8 die Schaffung eines Dorfcafés im Zentrum von Dußlingen, in dem sich Menschen verschiedenster Herkünfte und Generationen zusammenfinden.

Platz 9:


Als Maßnahme des Workshops des Gemeinderates ist auf Platz 9 der Ausbau der Internet-Versorgung in Dußlingen gewählt worden. Insbesondere als Maßnahme der Wirtschaftsförderung soll das flächendeckende schnelle Internet für Gewerbetreibende und Private zur Verfügung stehen. Im Haushaltsplan 2016 sind entsprechende Haushaltsmittel bereits veranschlagt.

Platz 10:


Der 10. Platz wurde gleichermaßen mit zwei Maßnahmen aus dem Workshop des Gemeinderats belegt. Zum einen möchte der Gemeinderat im Rahmen der Außenentwicklung Wohnquartiere im Bereich „Hofstatt“ und „Rote Halde“ weiterverfolgen. Hierdurch sollen sich Möglichkeiten für weitere Wohnraumschaffung für Bürger ergeben.
Mit gleicher Punktzahl wählte der Gemeinderat ebenfalls die Erarbeitung eines Parkierungskonzeptes für den gesamten innerörtlichen Bereich in Dußlingen. Dieses soll eine strukturierte Bewirtschaftung von Parkraum und ein geordnetes Parken ermöglichen.

Platz 12:


Platz 12 belegte die Idee aus dem Bürgerworkshop, die Steinlach erlebbar zu machen. In diesem Bezug sollen Überlegungen darüber angestellt werden, sichere bzw. befestigte Zugänge zum Ufer der Steinlach zu schaffen und so die Gemeinde besser mit dem Naturraum zu vernetzen. Das Vorhaben des Neubaus der Sport- und Kulturhalle in Dußlingen geht bereits in diese Richtung, da sie direkt an der Steinlach gelegen ist.

Platz 13:


Die Maßnahme zur Stärkung von Wohnen in der Ortsmitte möglicherweise in Form von Mehrgenerationen-Wohnen erreichte Platz 13 der Maßnahmen für die Entwicklung Dußlingens. Die Durchführung dieser Maßnahme wäre möglicherweise über Sanierungsgebiete sinnvoll.

Platz 14:


Platz 14 der Top 20 aller Maßnahmen erreichte die Verbessserung der Angebote für öffentlichen Verkehr. Dies umfasst sowohl Änderungen innerörtlich bzw. überörtlich, als auch qualitativ. Beispiele hierfür wären die Einführung eines Bürger- oder Fernbusses.

Platz 15:


Aus beiden Workshops war das Thema zur Erhöhung der Einzelhandelsvielfalt bzw. örtlichen Einkaufsmöglichkeiten wichtig. Deshalb erlangte es Platz 15. Dieses behandelt vorwiegend die Stärkung des Einzelhandels am Ort im Rahmen der Wirtschaftsförderung. Dementsprechend müssen künftig Voraussetzungen zur Förderung durch Planungsrecht geschaffen werden.
Platz 15 belegten jedoch zwei weitere Maßnahmen. Diese kamen aus dem Workshop der Gemeinderäte. Sie umfassen das Thema Einführung flächendeckend „Tempo 30“ im innerörtlichen Bereich sowie den Erhalt der Zukunftsfähigkeit der Vereine.

Platz 18:


Die Maßnahmenidee auf Platz 18 kam aus dem Bürgerworkshop. Diese möchten künftig Sanierungsgebiete in der Ortsmitte voranbringen. Dabei geht es unter anderem um die Förderung privater Sanierungsmaßnahmen. Die Gemeinde ist aktuell bereits in diesem Bereich tätig. Ein Antrag für das Sanierungsgebiet „An der Steinlach“ wurde jüngst gestellt.

Platz 19:


Der nächste Platz umfasst die Sanierung „alter“ Gebäude im Ortskern. Diese Idee kam aus dem Bürgerworkshop. Inhaltlich behandelt es ähnliche Themenfelder wie die Maßnahme auf Platz 18.

Platz 20:


Den letzten Platz der Top 20-Maßnahmen belegten gleichermaßen ein Ergebnis, welches in beiden Workshops zur Diskussion kam, eine Maßnahme aus dem Bürgerworkshop sowie zwei Maßnahmen aus dem Räteworkshop. Erstgenanntes befasste sich mit der Erstellung eines Radroutenkonzeptes in Dußlingen. Dabei geht es darum, sinnvolle und kurze Wege im Ort durch Dußlingen zu erschließen. Maßnahme zwei ließ Überlegungen zum Thema Angebote zur verbesserten Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Dußlingen aufkommen. Dabei sollen vor allem Angebote in der Kinder- und Ferienbetreuung verbessert werden.
Weiter war den Räten aus Dußlingen das Konzept „Ökobündnis“ Dußlingen und die Entwicklung neuer Flächen unter Berücksichtigung von Umwelt und Klima wichtig. Beide Maßnahmen schließen sich an das Energie- bzw. Klimaschutzkonzept auf Platz 7 an. Es soll daher der Umweltaspekt speziell bei der Ausweisung neuer Flächen berücksichtigt werden.

 
Ergebnis des Workshops zur Ortsentwicklungsplanung "Dußlingen 2030" (PDF)
 
Herr Prof. Kölz beendete die Präsentation und gab noch einen Ausblick über das mögliche weitere Vorgehen. In jedem Fall stellen die vorgestellten Ergebnisse eine Hilfe für die künftige Tagesarbeit dar. Weiter wäre eine Ausdehnung der Maßnahmen auf den gesamten Ortsplan möglich. Konkretisierungen und Priorisierungen im Gemeinderat werden folgen müssen.
Bürgermeister Thomas Hölsch verwies zudem darauf, dass die Ergebnisse aus dem Ortsent­wicklungs­­konzept „Dußlingen 2030“ Themen behandeln, welche bereits in früheren Gemeinderats­sitzungen beraten wurden. Auch deshalb werden diese in weitere Entscheidungen stets einbezogen.  Dennoch müssen Überlegungen angestellt werden, welche der vorgetragenen Maßnahmen zum einen kurz-, mittel- oder langfristig umgesetzt werden können sowie zum anderen welche Themenbereiche überhaupt im Zuständigkeitsbereich der Gemeinde liegen. Nur diese Maßnahmen könnten frühzeitig angegangen werden.
Abschließend unterstrich Bürgermeister Thomas Hölsch die Qualität dieses Konzeptes und bedankte sich an dieser Stelle herzlich bei allen Beteiligten, besonders den Bürgern und der Planungsgruppe Kölz.


Präsentation der Ergebnisse zum Ortsentwicklungsprozess "Dußlingen 2030" in der Gemeinderatssitzung am 04.02.2016